Alter Friedhof Sassnitz

 

Friedhofsgebührensatzung vom 24.06.2021 (PDF) 

 

Der kirchliche Friedhof in Sassnitz liegt an der Waldmeisterstraße und hat einen parkähnlichen Charakter. Ein alter Baumbestand und zahlreiche Hecken zieren die Wegreihen und Grabstätten. Buchen, Eichen, Platanen, Birken und Nadelhölzer bieten den Besuchern im Sommer über Schatten und Kühle und vielen Vögeln und Insekten Nahrung und ein Zuhause - auch im Winter.  

Der Alte Friedhof liegt seit 1924 in der Verwaltung der Ev. Kirchengemeinde Sassnitz.

Die Friedhofskapelle, genannt Auferstehungskapelle, wurde 1904 eingeweiht. Anlässlich des 120jährigen Bestehens wurde die Kapelle innen mit einem neuen Anstrich versehen und bietet heute einen würdigen Rahmen für Trauerfeiern.

 

Der 2024 neu gestaltete Grabanlage "Ankerplatz" für Urnenbeisetzungen befindet sich mitten auf dem Friedhof. Mit Anker, mit Bohlen, Seegras und einem Leuchtturm ist dieser "Ankerplatz" für Einzelne und Ehepaare eine besondere Heimstätte. Auf kleinen Schildern an den Bohlen werden die Namen festgehalten, von Menschen, die hier beigesetzt sind. Es ist uns als Kirchengemeinde ein großes Anliegen, der Trauer einen würdigen Ort zu geben, den Namen eines geliebten Menschen festzuhalten und mit Zeichen und Symbolen den Gedanken eine Richtung zu weisen. Mit dieser Grabanlage wollen wir gerade hier in Sassnitz, in Reichweite der Ostsee, eine Alternative zu den zahlreichen Seebestattungen bieten.

 

Seit dem Frühjahr 2025 sind auch Baumbestattungen möglich. Zur Verfügung stehen eine Stieleiche, ein Amberbaum, eine Winterlinde und ein Feldahorn. Die jungen Bäume zeichnen sich durch eine hohe Widerstandsfähigkeit und Klimafreundlichkeit aus. Mit der Urnenbeisetzung im nahen Baum- und Wurzelbereich entsteht eine Symbiose aus Tod und Leben, eine besondere Nähe zum Naturkreislauf, die sehr geschätzt wird.


Geschichte

Die Stadt Sassnitz hat drei Friedhöfe. Der Alte Friedhof ist in kirchlicher Verwaltung und liegt sehr schön am südlichsten Ausläufer des Nationalparkwaldes Stubnitz; der Neue Friedhof ist in städtischer Verwaltung und liegt an der B96, 500 Meter nach dem Ortseingang nach Sassnitz rechts. Außerdem gibt es noch den Waldfriedhof südlich von Sassnitz, ausschließlich mit Gräbern von Kriegsopfern. 

 

Auf dem Alten Friedhof ruhen 13 deutsche, 14 österreichisch-ungarische und 38 russische Soldaten aus dem 1. Weltkrieg. Am unteren Friedhofseingang befindet sich das Gräberfeld mit 174 Soldaten verschiedener Nationalitäten und 331 zivile Opfer des 2. Weltkrieges. 

 

Saßnitz (heute Sassnitz) mit seinem kleinen Fischerei- und Fährschiffhafen wurde Ende Februar 1945 zunehmend Umschlagplatz für die Flüchtlinge aus dem Osten. 

 

Wegen des zu geringen Tiefgangs des Hafens mussten größere Schiffe mit Flüchtlingen vor Saßnitz auf Reede liegen und wurden dann mit kleineren Schiffen entladen. Da dieser Vorgang mehr Zeit in Anspruch nahm, als das direkte Entladen der Flüchtlinge und Verwundeten, befand sich am 6. März 1945 eine größere Schiffsansammlung auf der Reede von Saßnitz. 

 

In dieser Situation erfolgte der britische Bombenangriff mit ca. 150 Lancaster-Bomber der 5. Gruppe des Alliierten Bombenkommandos auf die Stadt und den Hafen, während 41 weitere Bomber mit 7 Mosquitos als Jagdschutz die Reede angriffen. Ab 22:53 Uhr fielen die Bomben des 1. Angriffs und um 23:03 Uhr begann der 2. Angriff bis 23:12 Uhr. Dabei fielen auf das Stadtgebiet und den Hafen 491,3t Bomben. Das Hauptziel war der Hafen und die Reede. Es starben 136 Sassnitzer Bürger, 195 Wohnungen wurden zerstört, 336 Wohnungen schwer beschädigt und ca. 400 Wohnungen leicht beschädigt. Im Gleisbereich des Hafens kamen ca. 750 bis 800 Flüchtlinge und Soldaten zu Tode. 

 

Der im Hafen liegende Verwundetentransporter „Robert Möhring" wurde durch zwei Bomben getroffen, fing an zu brennen und sank. Dabei fanden 353 Verwundete den Tod.

 

Auf der Reede fielen 173,7t Bomben. Mehrere Seeminen wurden über Wasser abgeworfen. Der Zerstörer Z 28 wurde von drei Bomben getroffen und sank, wobei 150 Besatzungsmitglieder den Tod fanden. Ebenso sanken weitere fünfzehn Seefahrzeuge. 

 

Den anderen größeren Flüchtlingsschiffen „Deutschland" und „Hamburg" geschah glücklicherweise nichts. Insgesamt starben bei dem Bombenangriff rund 1000 Menschen.

 

Obwohl der Hafen schwer beschädigt war, sollten noch viele Flüchtlinge über Saßnitz in den Westen durchgeschleust werden.

 

Die Stadt Sassnitz gedenkt jährlich am Jahrestag 6. März an die Kriegsopfer mit Vertretern der Kirchengemeinde, der Stadt und manchmal auch der Schulen, um an die schrecklichen Ereignisse zu erinnern und zum Frieden aufzurufen. 

 

Den auf See verschollenen Fischern und anderen Seeleuten ist ein besonderer Platz an der Strandpromenade mit Gedenkstein gewidmet.